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Pierre Vogel lädt zur öffentlichen Dawah und das gesamte Spektrum des Duisburger Polit-Gruselkabinetts folgt seinem Ruf

Im Rahmen der „Deutschland-Tour“ durch 33 Städte haben Pierre Vogel und sein Salafisten-Racket (tatsächlich ausschließlich Männer) am vergangenen Samstag auf dem Duisburger Bahnhofsvorplatz unter dem Motto „Hassprediger ruft zum Frieden auf!“ zur Dawah, was im weitesten Sinne eine Art Werbeveranstaltung für den Islam bezeichnet, Halt gemacht.

Nun, zur ideologischen Ausrichtung Pierre Vogels müssen eigentlich keine weiteren Worte verloren werden, so negativ (und vor allem rechtspopulistisch) konnotiert der Begriff des „Hasspredigers“ auch ist, eignet er sich doch recht präzise um Pierre Vogels Tätigkeiten zu beschreiben: Für seine menschenfeindlichen Hetztiraden gegen alles, was nicht seinem bornierten Bild des Islams entspricht, finden sich massig Beispiele, wenn man seinen Namen bei den gängigen Suchmaschinen eingibt (1). Der ehemalige Profiboxer Vogel war einer der ersten deutschen Islam-Konvertiten, der seine Reden auf Deutsch mit einem charmanten rheinischen Akzent hielt, was ihn von der breiten Masse der arabisch-sprechenden Prediger abhob. Auf diese Weise erreichte er eine neue Zielgruppe, junge Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund, deren erste Sprache Deutsch ist, was ihm besonders in diesen Kreisen, aber auch weit darüber hinaus, große Popularität bescherte.

So jubelten ihm und seinen beiden Vorrednern auf dem Bahnhofsvorplatz laut Angaben von „derwesten.de“ rund 250 begeisterte Anhänger_innen zu (2). Pierre Vogels fast zweistündige Rede bestand letzten Endes aus den bereits aus unzähligen Interviews, Fernsehbeiträgen und anderen Berichterstattungen bekannten Satzbausteinen und Allgemeinplätzen, der versprochene „Aufruf zum Frieden“ entpuppte sich als Forderung zur allgemeinen Durchsetzung des Islams und es wurden Weisheiten verkündet wie die, dass man um den Islam zu retten, als Eltern darauf achten müsse, dass die Kinder nicht auf dem Bauch schlafen, da dies zum plötzlichen Kindstod führen könne. Das Kamera-Team des WDR schüttelte den Kopf, der junge Mann im schwarzen Kapuzenpulli, vorne mit der Aufschrift „Soldier of Allah“ und hinten mit zwei gekreuzten Maschinengewehren und dem Schriftzug „Jihad“ applaudierte begeistert. Bernhard Falk, seines Zeichens Ex-Terrorist bei den Antiimperialistischen Zellen (AIZ) und während seiner mehrjährigen Haftstrafe, u.a. wegen versuchten Mordes, zum radikalen Islam konvertiert, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, die salafistische Bewegung mit seiner Anwesenheit zu unterstützen.

Doch Pierre Vogel zog auch ein weiteres Personenspektrum an: Am Busbahnhof auf der anderen Seite des Bahnhofsvorplatzes, abgeschirmt durch ein breites Spalier Polizeiwagen, versammelten sich bereits kurz nach Veranstaltungsbeginn ca. 20 NPD-Anhänger_innen. Während die NPD’ler_innen zuerst vergeblich versuchten in unmittelbarer Nähe zu den Salafist_innen eine „Spontankundgebung“ abzuhalten, welche laut „derwesten.de“ von der Polizei aufgrund der mitgebrachten Fahnen und Megafone als nicht sehr spontan eingeschätzt und kurzerhand zum Busbahnhof verlegt wurde, konnten andere bekannte Mitglieder aus dem Umfeld des Nationalen Widerstand Duisburgs (NWDU), teilweise mit Kinderwagen getarnt, das salafistische Treiben auf der Bühne jedoch ungestört aus nächster Nähe beobachten. Die Zuschauerränge teilten sie sich dort u.a. mit einigen Neumühler Bürger_innen, die in jüngster Vergangenheit mit rassistischen Hetztiraden auf sich aufmerksam gemacht hatten, Menschen von Pro NRW und der Partei „Die Bürgerlichen“ aus Mönchengladbach, die ihre Schilder mit der Aufschrift „Keine Scharia in Deutschland!“ präsentierten.

Traurigerweise gab es keinen organisierten Gegenprotest aus dem linken Spektrum, weder zur salafistischen Kundgebung noch zur NPD, grade einmal einige Antifas und eine Handvoll Punks folgten sichtlich irritiert dem knapp vierstündigen Spektakel. Lediglich in der Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh organisierten das „Bündnis für Toleranz und Zivilcourage“ und der Integrationsrat eine bürgerliche Gegenveranstaltung: Ab 12 Uhr wurde zum interreligiösen Gebet geladen, zu dem sich auch Duisburg Oberbürgermeister Sören Link angekündigt hatte.

Zusammengefasst hat Duisburg an diesem Samstag abermals bewiesen, dass es das Image der Polit-Geisterbahn des Ruhrgebiets nicht umsonst genießt. Umso trauriger ist es, dass die wenigen in Duisburg überhaupt existierenden herrschaftskritischen, antifaschistischen Gruppen es nicht geschafft haben, der geballten Gegenaufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen, so dass beide Veranstaltungen letztendlich über die Bühne gehen konnten, ohne dass eine zweifelsfrei notwendige emanzipatorische Kritik an reaktionären Ideologien wie dem Salafismus eines Pierre Vogels oder der Deutschtümelei der NPD formuliert worden wäre.

Initiative gegen Duisburger Zustände // Emanzipatorische Antifa Duisburg im Februar 2014

(1) Für eine allgemeinere Auseinandersetzung mit Pierre Vogel und dem Salafismus vgl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pierre-vogel-in-hamburg-hassprediger-hahaha-a-773459.html bzw. http://www.bpb.de/politik/extremismus/islamismus/136705/die-salafiyya-bewegung-in-deutschland?p=all weiterführend vgl. auch http://youtu.be/moboIH8j5dg oder http://youtu.be/e8aGowNv6TY

(2) http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/250-salafisten-bei-kundgebung-mit-pierre-vogel-in-duisburg-id9026941.html

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