Redebeitrag zu den Verhältnissen innerhalb der Duisburger Linken

Im Folgenden dokumentieren wir einen Redebeitrag, den wir im Rahmen der von uns mitorganisierten Demonstration „»Duisburg, mon Amour«!? – Gegen die rassistischen und antiziganistischen Zustände“ am 30.04.2014 in Duisburg gehalten haben.

„In Anlehnung an Jean Améry stellt sich in Anbetracht der hiesigen Verhältnisse für an Emanzipation orientierte Antifaschist_innen das Problem, dort links zu sein, wo sonst nichts Linkes ist. Die Konsequenz ist, dass im Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und andere menschenverachtende Ideologien nicht nur die Bündnispartner_innen wegfallen, nein, viele der lokalen Gruppen sind durchaus als Teil des Problems zu betrachten.

Nicht nur, dass ihr massenagitatorischer Ansatz einen Großteil der Bewegungslinken für eine gesamtgesellschaftliche Kritik, die aufs Ganze zielt, blind macht. Indem sie weiterhin durch Begriffe wie „Volk“ und „Klassenbewusstsein“ ihre revolutionären Hoffnungen auf die Masse projizieren, sind sie nicht in der Lage zu erkennen, dass diese Masse, im Sinne eines identitätsstiftenden Zwangskollektivs, besonders in Deutschland längst das Hauptproblem geworden ist. Speziell die linke Szene in Duisburg fällt regelmäßig durch ihr Weltbild, welches irgendwo bei den K-Gruppen der 70er und anderen obskuren Polit-Sekten einzusortieren ist, und durch antizionistische und antisemitische Ausfälle im Rahmen ihres Faibles für völkische Befreiungsbewegungen auf.

So hat es nicht nur der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Duisburger Linkspartei, Hermann Dierkes, mit seiner Beschreibung des Existenzrechts Israels als „läppisch“ in die „Top Ten der antisemitischen Ausfälle“ des Simon-Wiesenthal-Centers geschafft. 2003 unterstützte der Duisburger „Initiativ e.V.“ mit seiner Kampagne „10€ für den irakischen Widerstand“ den Kampf irakischer Terrorist_innen gegen US-Truppen, die örtliche Linksjugend [‘solid] organisiert Solidaritäts-Veranstaltungen für den syrischen Diktator Bashar al-Assad und während obskure Splitterparteien wie MLKP und MLPD ihre stalinistischen Propagandaschlachten abfeiern, machen die gewalttätigen Schläger-Rackets um Gruppen wie die „Rote Antifa NRW“ oder „Young Struggle“ Jagd auf als israel-solidarisch identifizierte Menschen, die sie gerne aufgrund ihrer Parteinahme für den zionistischen Staat als „Nazis“ oder „Faschist_innen“ denunzieren. Dieser nur als abstoßend zu bezeichnende Szene-Sumpf antiimperialistischen Wahnsinns amalgamiert schlussendlich im lokalen Ableger der antisemitischen Internationalen, dem selbsternannten „Duisburger Netzwerk gegen Rechts“.

Es ist also offensichtlich, dass Genoss_innen, die der vulgärmarxistischen Orthodoxie, sowie völkischen Befreiungsbewegungen (bspw. der palästinensischen oder kurdischen) und dem daraus resultierenden, als „linken Antizionismus“ getarnten, Antisemitismus kritisch gegenüberstehen, in Duisburg einen schweren Stand genießen und abgesehen von gelegentlichen anarchistischen Momenten kaum potentielle Bündnispartner_innen in Sicht sind. Selbst die im „Bündnis gegen Antiromaismus“ organisierte antirassistische Linke warf sämtliche Prinzipien über Bord und ließ es sich nicht nehmen, im Rahmen ihrer Demo gegen die Pro-NRW-Veranstaltung in Duisburg-Neumühl am 9. November vergangenen Jahres mit besagtem „Netzwerk gegen Rechts“ zu paktieren. Das Resultat war eine Grusel-Veranstaltung, auf der sämtliche Gruppierungen aus NRW, die für ihren antiimperialistischen Israel-Hass berühmt-berüchtigt sind, in Erscheinung traten.

Ein aus der kritischen Reflexion des Antisemitismus entspringendes notwendiges Bekenntnis zum Existenzrecht Israels, als Indikator einer Gesellschaftskritik, die im 21. Jahrhundert angekommen ist, kann in Duisburg als antifaschistischer Minimalkonsens anscheinend immer noch nicht bedingungslos eingefordert werden. Solange dies der Fall ist, kann die einzig mögliche Quintessenz demnach nur sein, um pointiert einmal Gerhard Scheit zu paraphrasieren, dass eine Duisburger Linke in ihrer aktuellen Verfasstheit keine Ratschläge erteilen, aber auch nicht schweigen sollte. Es sollte sie am besten gar nicht geben.“

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