Duisburg bleibt Pegida-Hochburg im Westen

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Rechts im Bild zu erkennen: Ein Beutel mit dem Aufdruck „I Love NS“

Still geworden war es zwischenzeitlich um Pegida in Duisburg. Nachdem die anfängliche Euphorie im Verlauf des Jahres abflaute, verfiel der montägliche Aufzug von Wutbürgern, Hooligans und organisierten Rechten samt seiner Gegenproteste schnell zur unspektakulären Protest-Routine. So war Woche für Woche zu beobachten, wie sich ein Häufchen MLPDler auf der einen Seite der Hamburger Gitter (die ob des geringen Gefahrenpotentials bald durch Flatterband ersetzt wurden) mit den nicht minder personalschwachen Gestalten auf der anderen Seite in lustlosen Wortgefechten erging. Dabei wehten nicht nur auf beiden Kundgebungen Fahnen mit durchgestrichenen Hakenkreuzen, auch glichen sich die skandierten Parolen bis aufs Haar – schließlich reklamieren beide Parteien für sich, die einzig legitime Stimme des „deutschen Volkes“ zu sein.

Es dominierte – erfreulicherweise – die Tristesse. Dies änderte sich freilich mit dem Jahrestag der ersten Pegida-Demonstration am 19. Oktober: Offenbar angesteckt von der bundesweiten Medienpräsenz, die Pegida kurzzeitig erneut zuteilwurde, nahmen wieder vermehrt Neonazis und Hooligans an den Aufmärschen in Duisburg teil, was die Teilnehmerzahl von zuletzt durchschnittlich 50 auf über 250 Personen ansteigen ließ. Damit einher gingen mehrere Versuche, die Gegenkundgebung beziehungsweise als „links“ identifizierte Personen anzugreifen. Es nimmt folglich wenig Wunder, dass zum jüngsten Pegida-Aufzug am gestrigen Montag, dem 9. November – dem Jahrestag der Reichspogromnacht – nicht nur antifaschistische Gruppen zum Gegenprotest aufriefen (wobei einige teilweise ordentlich danebengriffen), sondern auch Teile der Duisburger Zivilgesellschaft. Die Ratsfraktion der Grünen rief dazu auf, sich ob der erstarkenden Teilnehmerzahlen von Pegida den Gegenprotesten anzuschließen – wohlgemerkt zum ersten Mal seit der bürgerlichen Großkundgebung gegen die Pegida-Demonstration im Januar.

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Hooligans versuchen Antifas im Starbucks zu attackieren (Bildquelle: Ruhrbarone)

Laut Ruhrbaronen folgten den verschiedenen Aufrufen über 350 Kundgebungsteilnehmer, ebenso viele waren es auf Seiten Pegidas. Die Stimmung zwischen beiden Lagern war merklich angespannt und entsprechende Szenen ereigneten sich vor Ort: Ein gut 50köpfiger Hooligan-Mob zieht durch den Hauptbahnhof und versucht Antifas in einem Starbucks zu attackieren, auf dem Bahnhofsvorplatz kommt es zu mehreren handgreiflichen Auseinandersetzungen, zwischendurch gibt es immer wieder Durchbruchsversuche von beiden Seiten. Inmitten dieser Szenerie hat die völlig überforderte und unterbesetzte Polizei deutliche Probleme, die Kontrolle über die Situation wiederherzustellen. Letztendlich sieht sie sich genötigt, die gesamte Gegenkundgebung einzukesseln und mit äußerster Brutalität gegen einzelne Teilnehmer vorzugehen. Es gab mehrere Verletzte sowie Strafanzeigen auf Seiten der Gegendemonstranten.

Der vergangene Montag offenbart daher dreierlei Erkenntnisse: Zuerst einmal wurde vor Augen geführt, dass Pegida in Duisburg nach wie vor seine Hochburg im Westen hat und – zumindest gegenwärtig – im Rahmen seiner Montagsspaziergänge ein Gefahrenpotential beherbergt, welches die Polizei nur schwerlich unter Kontrolle hat. Des Weiteren wurde abermals unterstrichen, dass mit der Duisburger Zivilgesellschaft keine Proteste gegen Rassismus zu machen sind. Außer einige vereinzelte Fahnen der Grünen und der IG Metall waren keine Anzeichen der vielbeschworenen zivilgesellschaftlichen Courage zu vernehmen. Nicht zuletzt wurde u.a. durch die Aufrufe im Vorfeld ebenso deutlich, dass die Duisburger Linke zwar in der Lage ist, Protest zu organisieren, nicht jedoch eine adäquate inhaltliche Kritik an den Positionen von Pegida zu formulieren. Dies hat nicht nur die Unfähigkeit, das Phänomen Pegida begrifflich zu erfassen, zur Konsequenz, sondern offenbart  auch mehr über den Zustand der Duisburger Linken, als dieser lieb sein dürfte.

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